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Die Landesbühnen bei uns im Klassenzimmer

Am 5.Januar 2017 hatten wir als Deutsch Leistungskurs die Möglichkeit, den Landesbühnen Radebeul und damit auch dem Schauspielern mal ein ganzes Stück näher zu kommen. Ja, dem Schauspielern,  nicht nur den Schauspielern.

Das ganze Projekt lief dabei unter dem Thema „Der Prozess" nach der Romanvorlage von Franz Kafka, in welchem es um einen zu Unrecht verurteilten Bankangestellten geht, der im Laufe dieses Prozesses mit seinem Schicksal und dem Gericht kämpft. Zunächst nahmen wir an einem Workshop teil, indem wir uns ein bisschen mit dem Schauspielern vertraut machten. Um 18.00 Uhr wurde es dann ernst. Wir trafen uns in den Landesbühnen, um dort unsere einstudierten Szenen vor einem Publikum vorzuspielen.

 

Dass man diese aber auch ganz anders umsetzen kann, das wurde uns eine Woche später, am 11.Januar 2017, bei der Premiere im eigenen Klassenzimmer vorgeführt.  Im Nachhinein werden viele von uns die Vorstellung als abstrakt bezeichnen und wie von Kafka beabsichtigt mehr Fragen als Antworten im Kopf behalten.

Aber von Anfang an... Das Stück bestand nur aus zwei Akteuren: der Schauspielerin Kora Tscherning und einer Puppe, die die Hauptfigur Josef K. aus dem Roman „Der Prozess" darstellte. Die Wahl einer Puppe für die Verkörperung des Herrn K. war dabei mehr als nur ein Zufall. Dadurch wurde die Machtlosigkeit verdeutlicht und man bekam den Eindruck, „K." sei nur eine Art Spielball in einem nur schwer durchschaubaren System. Dabei wurden wir als Zuschauer sogar mit eingebunden. So nahmen wir, wenn auch etwas unbeabsichtigt, den Platz von etlichen Gerichtsleuten ein, die wortlos (und auch ein wenig erbarmungslos) dem Verurteilten bei seiner Selbstverteidigung vor Gericht zuschauten.

Die Regisseurin Esther Falk nutzte aber auch zahlreiche Requisiten, um einige im Buch enthaltene Symbole noch besser zu verdeutlichen. So stellte die Schauspielerin zum Beispiel die Anwaltsgehilfin Leni, die aufgrund eines Bindehäutchens zwischen Ring- und Mittelfinger etwas Froschähnliches hat, mittels grüner Farbe, mit der sie ihre Arme bemalte, dar. Und dies war nur eines der vielen Stilmittel, mit denen die Anspielungen des Buches umgesetzt wurden. Aber auch die Musik war erwähnenswert. Sie untermalte das Schauspiel, ließ es noch unwirklicher und verwirrender erscheinen.

Uns als Leistungskurs hat diese Umsetzung des Werkes ein Stück weit die Augen geöffnet, wie Szenen noch dargestellt werden können, da diese in einem sehr großen Gegensatz zu der unseren stand. Das Gespräch mit der Akteurin und der Regisseurin half uns die Darstellungen besser zu verstehen und ließ das Stück weniger abstrakt wirken. Alles in allem waren diese Tage für uns eine sehr gute Möglichkeit, um mal ins Theaterleben einzutauchen, eine Menge Impressionen daraus mitzunehmen und  einen anderen Zugang zu Kafkas Werk zu finden.

Dominik Weber, LK Deutsch 11/3